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Date:Dezember 09, 2013

Gewaltfreie Kommunikation

In Konfliktsituationen fair bleiben und einen kühlen Kopf bewahren? Aussagen nicht mehr persönlich nehmen und richtig verstanden werden – aber auch zuhören können?

Der Prozess der gewaltfreien Kommunikation ermöglicht uns, diese Fragen auf der Grundlage von gegenseitigem Respekt und Achtung der Gleichwertigkeit allen Lebens zu klären.

Das Modell wurde von Dr. Marshall B. Rosenberg in den 60er Jahren als Antwort auf zwei Fragen entwickelt: Was geschieht, wenn Menschen die Verbindung zu sich selbst und anderen verlieren und sich schliesslich gewalttätig verhalten? Und was ermöglicht es manchen Menschen, selbst unter schwierigsten Bedingungen in Verbindung mit ihrer einfühlsamen Natur zu bleiben? Seine Antwort lautet: Gewalt und Konflikte sind Strategien, die wir wählen, um für unsere Bedürfnisse beispielsweise nach Wertschätzung, Respekt, Schutz, Selbstbestimmung usw. einzustehen. Ärger, Wut oder Frustration sind dabei die Gefühle, die auftreten, wenn wir uns in unseren Anliegen beeinträchtig sehen. Genauso erleben wir die so genannt positiven Gefühle wie Freude, Erleichterung oder Glück, wenn sich unsere Bedürfnisse erfüllen.

Verantwortung für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse

Unsere Gefühle, ob gut oder schlecht, sind unmittelbar mit unseren eigenen erfüllten oder unerfüllten Bedürfnissen verknüpft und diejenigen des Gegenübers, mit dessen Bedürfnissen. Dieses Auseinanderhalten ist äusserst hilfreich. Es klärt die Verantwortlichkeit. Wir übernehmen die Verantwortung für unsere eigenen Gefühle, nicht aber für jene anderer. Ohne dabei unsere eigenen Anliegen aufzugeben, konzentrieren wir uns im Konflikt nicht auf das Fehlverhalten des Anderen, sondern darauf, was er oder sie in diesem Augenblick wirklich braucht. Wir hören aufmerksam und urteilsfrei zu und schaffen so eine Verbindung auf der Grundlage gegenseitiger Achtung. Leicht? Mitnichten! Gleichwohl hilft gerade diese Haltung in scheinbar auswegslosen Situationen oft als letztes Mittel, Schaden abzuwenden und Lösungen zu finden, die für alle zufrieden stellend sind.

Gewaltfrei

Gewaltfreiheit wird im Sinne von Gandhi verstanden: Nicht schädigen, nicht unrecht tun – es geht um eine Haltung der Freundlichkeit mir und den anderen gegenüber, wodurch meine eigene Bereitschaft und die Bereitschaft meines Gegenübers zur Zusammenarbeit steigt.

Mahatma Gandhi „Gewaltlosigkeit ist eine aktive Form guten Willens gegenüber allem Leben. Sie ist reine Liebe. Sie bedeutet, dass du niemanden schädigst, dass du keine lieblosen Gedanken hegst, nicht einmal gegenüber jenen Menschen, die du als deine Feinde betrachtest. Wer dieser Lehre folgt, kennt keine Feinde. Wenn du deine Liebe in der Weise ausdrückst, dass sie sich unauslöschlich selbst deinem sogenannten Feind einprägt, muss er diese Liebe erwidern.“ Mahatma Gandhi

Anwendungsbereiche

Die Bereiche, in denen mit dieser Art des kommunikativen Umgangs miteinander gearbeitet wird, sind vielseitig. So wird die Gewaltfreie Kommunikation beispielsweise seit Jahren in der Versöhnungsarbeit zwischen Täter und Opfern, in internationalen Konflikten, in Gefängnissen (San Quentin) aber auch in Firmen und Institutionen, Schulen und in Familien praktiziert. Sie ist ein hervorragendes Mittel, Menschen in physischem und psychischem Schmerz einfühlsam zu begleiten (Coaching) oder einfach im normalen alltäglichen zwischenmenschlichen Kontakt.

Über Dr. Marshall B. Rosenberg

Portrait_MarshallRosenberg

A GREAT SOUL has left

Marshall B. Rosenberg † 7. February 2015

With wonder, awe, deep gratitude and overflowing love. You have given me the key to listen deeply to the whisper of our soul.

https://www.youtube.com/watch?v=CwHBD7Ihy5U

While I am writing this, a dragonfly is landing on my computer, resting here for a couple of moments and then heading of again. Wishing you a peaceful journey!

Wir entdecken das Potential unserer Einfühlungsvermögens, wenn wir uns auf die Klärung von Beobachtung, Gefühl und Bedürfnis konzentrieren, statt zu diagnostizieren und zu beurteilen.

Dr. Marshall B. Rosenberg war international bekannt als Konfliktmediator und Gründer des internationalen Center for Nonviolent Communication (CNVC) in den USA. 1934 als Kind jüdischer Eltern geboren und in den Strassen von Detroit aufgewachsen, hat er die Brutalität von Ausgrenzung und Gewalt am eigenen Leib erfahren. Er stellte sich deshalb schon früh die Fragen: „Was geschieht genau, wenn wir die Verbindung zu unserer einfühlsamen Natur verlieren und uns schließlich gewalttätig und ausbeuterisch verhalten? Und umgekehrt, was macht es manchen Menschen möglich, selbst unter den schwierigsten Bedingungen mit ihrem einfühlsamen Wesen in Kontakt zu bleiben?“

Über das Studium der klinischen Psychologie sowie seinem Studienfach „Vergleichende Religionswissenschaften“, durch die Begegnungen mit dem Wegbereiter der humanistischen Psychologie, Carl Rogers, und dem Religionswissenschaftler Martin Buber, fand er mehr und mehr Antworten auf seine Fragen.

Die von ihm in den 60er Jahren entwickelte Methode der Gewaltfreien Kommunikation hat sich als machtvolles Werkzeug herausgestellt, um Differenzen auf persönlichem, beruflichem und politischem Gebiet friedlich zu lösen. In den letzten dreißig Jahren hat Dr. Rosenberg die Gewaltfreie Kommunikation in mehr als zwei Dutzend Ländern an Ausbilder, Schüler, Studenten, Eltern, Manager, medizinisches und psychologisches Fachpersonal, Militärs, Friedensaktivisten, Anwälte, Gefangene, Polizisten und Geistliche weitergegeben. Er lehrt in Europa und den USA, reist regelmäßig in die Krisengebiete in Afrika, Osteuropa und den Mittleren Osten, wo er Ausbildungen und Konfliktmediationen anbietet.

Er selbst sagte, dass sein Konzept nichts Neues beinhalte, „alles, was in die GFK integriert wurde, ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Es geht also darum, uns an etwas zu erinnern, das wir bereits kennen – nämlich daran, wie unsere zwischenmenschliche Kommunikation ursprünglich gedacht war.“